Siebenschläfertag (Juni 2018)

Heute ist Siebenschläfertag. Also im Grunde kein Feiertag, aber trotzdem irgendwie ein wichtiger Tag, weil das Wetter an diesem Tag laut alten Bauernregeln für die nächsten Wochen bestimmend ist. Tatsächlich hat man wissenschaftlich herausgefunden, dass da durchaus was dran ist, allerdings bezieht sich das eher auf den 7. Juli, wo der Siebenschläfertag nämlich aufgrund der gregorianischen Kalenderreform sein müsste.
Anders ausgedrückt: Heute ist gar nicht Siebenschläfertag. Eigentlich erst am 7. Juli. Aber im Kalender steht 27. Juni, weil irgendwelche Reformen immer alle möglichen Leute verwirren. Wurst...
Aber warum heißt der Siebenschläfertag eigentlich Siebenschläfertag?

Das hat – wer hätte das gedacht – etwas mit der Kirche zu tun. Allerdings gibt es diese Legende von den sieben Schläfern tatsächlich im Christentum als auch im Islam! Wir haben also heute den großen Integrationstag!

Der Legende nach kam im Jahr 251 der römische Kaiser Decius nach Ephesus, um an den Opferfesten für die heidnischen Götter teilzunehmen und nebenher ein paar Christen umzubringen. Jeder braucht halt ein Hobby. Tatsächlich bringt er so viele um, dass sich bald die Stadtmauern biegen, auf denen die Toten gestapelt werden. Sieben junge Christen, die im Palast ihren Dienst taten, wurden verraten und zu Decius gebracht, der sie sich ansah und sinngemäß sagte: »Meine Fresse, ihr seid ja noch ganz schön jung. Ich finde zwar Christen abmetzeln irgendwie witzig, aber wenn ihr abschwört und unseren Göttern Opfer bringt, ist alles knorke.«
»Nee, wollen wir nicht.«
»Leute, soll ich euch gleich umbringen?«
»Also, wenn Sie das so sagen...«
»Ich gebe euch noch ein wenig Bedenkzeit. Ich fahr ein paar Tage in die umliegenden Ortschaften und schau mal, wen ich da noch alles umbringen kann.«
»Klingt nach einer Super-Idee.«
Darauf zogen die sieben jungen Christen los, begannen Almosen zu sammeln und zu verteilen, weil man sowas halt macht, wenn man gerade mit dem Tod bedroht wurde. Irgendwann merkten sie aber, dass sie was Wichtiges vergessen hatten.
»Wartet mal«, sagte einer der Christen, »kommt Decius nicht wieder zurück?«
»Ach ja, verdammt. Wat machen wir denn jetzt?«
»Scheiß was auf die Armen, wir nehmen das Geld von den Almosen, kaufen noch etwas Nahrung und verstecken uns in einer Höhle.«
»Wir könnten auch einfach das Land verlassen und es uns irgendwo nett machen«, sagte einer der Christen, aber die anderen schüttelten die Köpfe.
»Nee, Höhle ist das geilste überhaupt.«
Also schickten sie den Jüngsten von ihnen als Bettler verkleidet los, um noch etwas Brot zu kaufen. Und der rannte prompt Decius über den Weg.
»Hey, bist du nicht einer von diesen jungen ...«
»Ohshitohshitohshit«, sagte der Jüngste der Christen und rannte weg.
Als er in der Höhle ankam, starrten ihn die anderen an. »Alter, du solltest doch Brot kaufen! Wat hast du denn da? Zwei, drei Stück?«
»Na, kauf du doch mal ein, wenn der Typ, der dich umbringen will plötzlich vor dir steht.«
»Hm, ja.«
»Wat machen wir denn jetzt?«
»Wir könnten uns ein wenig hinlegen.«
»Wir haben nüscht zu essen und sollen uns einfach hinlegen? So als ob nichts wär?«
»Ja, hier, wie heißt er ... Gott, genau ... der wird uns schon helfen.«
»Das klingt ... natürlich absolut einleuchtend.«
Also machten sie ein Nickerchen.
Decius fand das irgendwie doof und wies seine Leute an, nach den jungen Christen zu suchen. Die fanden die aber nicht und so ging Decius zu den Eltern der Christen und sagte: »Passt mal auf, Leute. Wenn ihr mir nicht sagt, wo eure Kinder sind, schauen wir mal wie lange ihr Schmerz vertragt.«
Die Eltern der Christen sahen sich an und sagten dann hastig: »Die sind in der Höhle, da hinten. Warten Sie mal kurz, wir zeichnen das auf einer Karte ein.«
»Mann, das war ja einfacher als gedacht«, sagte Decius. »Wartet mal, wenn eure Kinder alle Christen sind, dann seid ihr doch bestimmt auch ...«
»Nee, nee, nee, nee, nee, nee. Wirklich nicht. Gar nicht. Yay, Jupiter und Athene!«, sagte einer der Väter.
»Athene ist aus Griechenland, du Depp«, murmelte eine der Mütter.
»Yay, Jupiter und wie auch immer die heißt!«, sagte der Vater.
Daraufhin sagte Decius: »Na, das will ich mal durchgehen lassen.«
Statt seine Leute anzuweisen, die Christen aus der Höhle zu holen, sagte er ihnen aber, dass sie die einmauern sollen.
»Die leben doch aber noch«, sagte einer der Zenturios.
»Muss ich alles zweimal sagen?«
»Nee, schon gut. Bißchen brutal vieleicht, aber okay.«
Zwei christliche Diener des Kaisers, die er aus irgendeinem Grund nicht umgebracht hatte, schrieben schnell auf Bleiplatten, die sie anscheinend immer bei sich trugen, was sich zugetragen hatte und versteckten die unter den Steinen am Höhleneingang. Nicht etwa davor oder so, damit man vielleicht die Leute in der Höhle noch hätte finden können. Nein, nein.
Dann machte sich Decius auf den Weg und verstarb auch relativ bald.
Aber keiner kam auf die gottverdammte Idee, vielleicht mal die Steine von der blöden Höhle zu räumen, um zu schauen, ob man den Jünglingen irgendwie helfen könnte.
Bis knapp 200 Jahre später einer einen Viehstall bauen wollte, weswegen Arbeiter die Steine vom Höhleneingang wegschleppten. Da wachten die jungen Christen in der Höhle wieder auf und dachten: »Na, schauen wir mal, was draußen los ist.«
Wieder schickten sie den Jüngsten, der ja nun auch schon satte 200 Lenze hatte, los, damit der endlich den Rest vom Brot kauft. Als der in die Stadt kam, erkannte er sie kaum wieder. Und der Bäcker, von dem er Brot kaufen wollte, sah seine Münzen und dachte: »Alter, wat soll’n dit?«
»Na, das ist das übliche Zahlungsmittel.«
»Entweder du hast jetzt richtiges Geld dabei oder ich hol dir Polizei.«
Und so wurde der Junge festgenommen und erzählte seine Geschichte und führte gleich eine ganze Baggage von Leuten zur Höhle, darunter den Bischof, der prompt die blöden Bleitafeln entdeckte, die erklärten was vorgefallen war.
Irgendwer erklärt den jungen Christen, dass sie fast 200 Jahre geschlafen hatten.
»Wat du nich sagst«, erwiderten die Christen. »Da hat Gott, der alte Schwerenöter, uns tatsächlich gerettet.«
Und dann starben sie.
Aber anstatt zu fragen »Warum lässt Gott die Typen erst 200 Jahre schlafen, nur um sie gleich wieder umzubringen?«, tanzten alle Bewohner von Ephesus herum, riefen »Gott ist groß« und so einen Kram und bauten dann eine Kirche auf der Höhle.

Ja. Dit war dit ...

 

Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting aus dem Juni 2018.